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Instinkte und Lernverhalten

Auch die Katze besitzt wie alle Tiere angeborene arttypische Instinkte. Katzen sind revierbezogen, nachtaktiv, vorsichtig und anders als die im Rudel lebenden Hunde im wesentlichen Einzelgänger, wenn es um die Jagd geht. Durch die Domestizierung haben sich zwar einige Instinkte verändert, sie blieben aber erhalten. Dies ist eine mögliche Erklärung für den Grund, dass wilde und verwilderte Katzen bessere Überlebenschancen haben als Hunde in vergleichbaren Situationen, obwohl sie natürlich gefährdeter sind als eine Katze, die gemütlich in einer Familie lebt. So verwöhnt und behütet eine Hauskatze auch ist, sie behält stets ihren starken Überlebensinstinkt und kann sich auf ihre blitzschnellen Reaktionen, ihre scharfen Sinne und auf ihr gutes Jagdvermögen verlassen.



Kommt ein Kätzchen auf die Welt, so ist die erste Instinkthandlung das Trinken. Tut sie dies nicht, so wäre das junge Katzenleben schon nach wenigen Stunden wieder zu Ende. In der ersten Milch sind wichtige Antikörper, die das Tier vor Krankheiten schützen. Die Kleinen werden zwar von der Mutter an die Zitzen geführt, aber das Saugen wird vom Instinkt gesteuert. Weist eine Kätzin eines ihrer Jungen zurück, so bedeutet das meist, dass mit ihm etwas nicht stimmt, dies sollte aber noch durch einen Tierarzt beurteilt werden. In den Monaten zwei bis sechs findet ein ständiges Lernen statt. Die Kleinen lernen durch die Mutter von A bis Z alles zum Überleben. Zunächst werden die Kleinen entwöhnt und ermuntert, anderes Futter zu fressen. Dabei entwickelt die Katzenmutter eine Beharrlichkeit und sogar Grobheit, die die Besitzer manchmal erstaunt. Als erstes bringt sie ihren Jungen bei, das Futter mit Nase und Schnurrhaaren zu prüfen. Sind die Kätzchen robuster, werden sie auf die Jagd mitgenommen.

Die Mutter putzt die Kleinen, bis sie es von ihr lernen, auch der Sinn und Zweck des Katzenklos wird ihnen beigebracht. Katzen lernen schnell, wie überlebenswichtig das vergraben des Kots in der Wildnis ist, damit Feinde ihre Spur nicht verfolgen können. Vor allem aber sorgt die Mutter für Nestwärme. Die Kleinen stossen immer wieder klagende Rufe aus, wenn sie sich verlaufen haben, so dass sie von ihrer Mutter wieder gefunden werden und zurück ins Nest gebracht werden. Katzen, die diese frühe Form der Erziehung und Zuwendung nicht durchlaufen haben, werden später nicht zurecht kommen und sind oft aggressiv. Sie missverstehen die streichelnde Hand als Angriff und reagieren dementsprechend. Sie lassen sich ungern bürsten und verstehen sich meist nicht gut mit Menschen und anderen Tieren im Haushalt.

Die Bindung zwischen der Katzenmutter und ihren Jungen wird durch das überaus aufmerksame Verhalten stark, und noch stärker wird es, wenn die Jungen nicht von der Mutter getrennt werden. Die Katzenmutter zeigt dann auch bei den erwachsenen Jungen zum Teil ein ähnliches Verhalten wie gerade nach der Geburt. Sie bringt ihnen zum Beispiel Leckerbissen oder spielt mit ihnen. Trotz dieser Bindung scheint ihr aber eine Trennung von den Jungen im Alter von zehn bis zwölf Wochen nicht so viel aus zu machen. Bei einem späteren Aufeinandertreffen erkennt sie ihre Jungen nicht mehr unbedingt, es kann auch vorkommen, dass sie gegeneinander kämpfen. Die frühere starke Bindung ist wahrscheinlich auf den gemeinsamen Nestgeruch zurück zu führen, der sich aber ändert, wenn das Kätzchen fortgeht.

Das ausgeprägte Revierverhalten ist allen Katzen angeboren. Die Grösse des Territoriums ist vom Lebensstil der Katze, dem Nahrungsangebotes sowie bei unkastrierten Katzen von den paarungswilligen Kätzinnen abhängig, das zeigen umfassende Forschungsergebnisse. Das natürliche Revier der Katze ist in zwei Zonen aufgeteilt. Die Kernzone umfasst den Lieblingsschlafplatz und allenfalls die Wohnung. Besonders von Weibchen wird dieser Bereich energisch gegen Eindringlinge verteidigt. Das Jagdrevier ist die zweite Zone, welche über Pfade mit der Heimatzone verbunden ist. In dieser Jagdzone halten sich die Katzen seltener auf. In der Regel verfügen Kater über eine zehnmal grössere Jagdfläche als weibliche Katzen, manchmal bis zu 40 ha. Diese Angaben treffen allerdings nur für freilebende Tiere und Bauernhofkatzen zu. Das Revierverhalten bei Hauskatzen sieht ein wenig anders aus. Bei Katzen mit Auslauf beschränkt sich die Heimatzone auf den eigenen Garten oder Hof, das Jagdrevier umfasst meist ein paar Nachbargärten. Mit Duftstoffen, welche von Drüsen am Kopf und an der Schwanzwurzel sekretiert werden, markiert die Katze ihr Revier. Diese Duftstoffe sind auch im Urin enthalten. Durch regelmässige Kontrollen wird die Heimatzone gegen Eindringlinge verteidigt, dies kann durch einen Kampf erfolgen oder durch das blosse Anstarren des Gegners bis dieser sich trollt. In Vororten mit grossen Gärten, in denen viele Katzen leben, sind die verfügbaren Flächen und Pfade genau aufgeteilt. Es kann auch vorkommen, dass es ein System von Zeitfenstern für verschiedene Katzen gibt. Werden diese nicht eingehalten, das heisst, ist eine Katze zur falschen Zeit am falschen Ort kommt es zu Streitereien.



Leben die Katzen nur im Haus, ist ihr Revierverhalten stark verändert, aber es ist nicht ganz verschwunden. Die Katze hat diverse Schlafplätze im ganzen Haus verteilt, die scheinbar willkürlich gewählt werden. Damit sie ihr theoretisches Jagdrevier im Blick hat, sucht sie sich strategische Punkte, beispielsweise auf den Fenstersimsen. Der Instinkt aller Katzen beschränkt sich aber nicht nur auf die Verteidigung der Kernzone gegen Eindringlinge, sondern geht noch drüber hinaus. Wird ein neues Möbelstück angeschafft oder wird ein Möbelstück umgestellt, so macht sich die Katze sofort dran, das Neue gründlich zu untersuchen und mit einer Duftmarke zu markieren.

Katzen sind von Natur aus konservativ. Am liebsten haben sie es, wenn alles so bleibt, wie es ist und der Tagesplan dem vergangenen folgt. Für Überraschungen sind sie nicht zu haben. In einer neuen Umgebung gewöhnen sie sich schnell an die Abläufe: Wo die warmen Plätzchen zu finden sind, wann und wo die Sonne durchs Fenster scheint, wann und wo es Essen gibt, wann die Kinder von der Schule kommen und gespielt wird und welches die Anzeichen sind, dass die Familie zu Bett geht. Das Zeitgefühl der Katzen ist ausserordentlich gut, es orientiert sich vor allem an der Lichtmenge. Nur so können die oben genannten Zeitfenster im geteilten Revier funktionieren. Eine Katze, die gewohnt ist, von Kindern auf dem Schulweg bewundert und gestreichelt zu werden, sorgt dafür, dass sie zweimal am Tag zur richtigen Zeit auf der Gartenmauer sitzt, und wundert sich dann wenn die Kinder Schulferien haben. Eine Katze schläft nebst ihren täglichen Aktivitäten sehr viel. Wie viel eine Katze mit Schlafen verbringt ist unterschiedlich, doch sind 16 bis 18 Stunden die Regel. Wildkatzen sind nachtaktive Jäger und verschlafen den Tag. Hauskatzen ändern dieses Verhalten, Freigänger die nachts ins Freie dürfen, verfallen wieder in dieses wilde Verhalten. Jungtiere und alte Katzen schlafen am Meisten. Die Schlafgewohnheiten einer Katze richten sich nach dem Tagesablauf des Haushaltes. Ist tagsüber niemand zuhause, so verschläft die Katze diese Zeit grösstenteils. Bei einem besonders warmen und gemütlichen Plätzchen ist die Katze immer für ein Nickerchen zu haben, vor allem nach dem Fressen und anschliessendem Putzen.



 
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